Kader:                BOSV Alpin Junioren

Skiclub                               Riffenmatt (SSM)

Wohnort                            Schwarzenburg

Geburtsdatum              20.01.2004

Erstmals auf Ski            mit 4 Jahren

Erstes Rennen :             JO Klubrennen

Ausrüster Ski:                Nordica

Bindung:                           Marker

Schuhe:                             Nordica

Helm:                                  Shred

Brille:                                  Shred

Stöcke:                               Leki

Hobbies                            Sport allgemein

Sponsoren

Schmied Bau AG, Garage Zahnd, Garage Zutter, Zahnartztpraxis Hirt, Avesco, Wittwer Transport

Lieblings:

Essen: Pizza, Lasagne

Getränk: Rivella, Citro

Disziplin: SL

Schulfach: Werken oder Sport

Skigebiet: Gstaad

Athlet: Alexander Armot Kilde

Musik: Englisch Rap

Film: John Wick                             

Bericht aus dem Guggisblatt vom Mai 2024

«VON MAL ZU MAL COOLER»

Unterwegs mit Marco Odermatt:

Aus dem Leben von Jan Wittwer, dem Rennfahrer des Skiklubs Riffenmatt

«Das war speziell – und von Mal zu Mal cooler»

Jan Wittwer vom Skiklub Riffenmatt tourt als Rennfahrer durch den Ski-Zirkus. Im vergangenen Winter stand er morgens manchmal um 4 Uhr 30 auf, um auf über 3000 Metern über Meer zu trainieren – und er schnupperte erstmals Weltcup-Luft.

Benjamin Steffen

Am 8.  November 2023 hast du den Skiklub Riffenmatt in die Ski-Welt hinausgetragen: als Vorfahrer im Training für die Weltcup-Abfahrt in Zermatt. Welche Erinnerungen hast du daran?

Es war mein Highlight der Saison, wenn nicht der Karriere. Das ganze Drumherum, auf der Besichtigung mit Marco Odermatt, Aleksander Kilde oder Dominik Paris:  Das war schon eindrücklich. Und zu hören, welche Infos die Swiss-Ski-Trainer den Fahrern weitergeben:

Sehr interessant. Auch die Organisation: komplett anders als an einem FIS-Rennen. Vor dem Start: überall Kameras.

Die Rennen mussten abgesagt werden – aber du wärst erneut Vorfahrer gewesen, oder?

Ja. Wir Vorfahrer hatten eine Qualifikation absolviert, und da war ich von sechs Fahrern der zweitschnellste. Es hätte mich nur schon gefreut, in einem Weltcup-Rennen mal über die Ziellinie zu fahren und den Rest des Geschehens aus dem Athletenbereich zu verfolgen. Und nicht zu vergessen: die Fans im Zielraum.

Was nicht weniger heraussticht: zwei Abfahrten Ende Januar in Tarvisio, als du erstmals im Europacup gestartet bist.

Diese Startmöglichkeit hätte ich gar nicht erwartet, sie kam wie aus dem Nichts. Es hiess:

In drei Tagen darfst du nach Tarvisio gehen.»

Ich glaubte es erst so richtig, als mir der Trainer die Liste schickte, auf der mein Name stand.

Und so erlebtest du ein weiteres Highlight.

Genau. Ich war vorwiegend in FIS-Rennen am Start, also auf dritthöchster Stufe nach Welt-und Europacup. Aber mit einer Abfahrt auf FIS-Stufe waren die Rennen in Tarvisio nicht zu vergleichen. Eine FIS-Abfahrt dauert höchstens 1 Minute 15, in Tarvisio war sie 1:50 lang.

Das merkte man. Und die Präparation war komplett anders: sehr kompakt, an der einen oder anderen Stelle sogar eisig.

Flösste es Respekt ein oder sogar Angst?

Im ersten Training fuhr schon grad ein bisschen Respekt mit. Aber nach der ersten Fahrt musste ich sagen:  «Doch, geht.  Schwierig, aber machbar.»

Wie weit gingen die Sprünge?

30 bis 50 Meter. Man fuhr auf einen Sprung zu und wusste: Nun bin ich zwei, drei Sekunden in der Luft. Das war speziell – und von Mal zu Mal cooler.

Du hast die Ränge 92 und 75 belegt, was völlig normal ist – so gut wie jeder Weltcup-Fahrer hat solche Klassierungen in der Statistik.  Du hast zu den Jüngeren gehört und hattest die Startnummern 102 und 92. Hast du es geschafft, diese Platzierungen richtig einzuordnen?

Ja. Auch die Schweizer Europacup-Trainer wiesen mich darauf hin: «Schau es als Erfahrung an – schon nur der Weg hierhin war sehr schwierig.» Aber im ersten Moment war es schon hart, weil ich dachte, ich wäre zu mehr fähig. Der eine oder andere Fehler war wohl Folge von Unterbrüchen kurz vor meinem Start.

Von langen Unterbrüchen?

Ja, etliche Fahrer waren gestürzt, was zu einer Verzögerung von 40, 50 Minuten führte. Das brachte mich schon ein bisschen durcheinander, weil ich es nicht gewöhnt war. Vor mir war ein Kanadier gestürzt, der mit dem Helikopter ins Spital geflogen worden musste.



Nun warst du einen Winter lang im Ski-Zirkus unterwegs. Dein Fazit?

Es war lehrreich und interessant, ich habe viele neue Leute und Orte kennengelernt und hinter die Weltcup-Kulissen gesehen, weil wir in Zermatt sogar im selben Hotel wie die Weltcup-Fahrer wohnten. Es bringt viel, wenn dir ein Weltcup-Trainer sagt: «Was du machst, ist gut, aber schau doch mal, dass du mehr Körperknick hast.» Solche Feedbacks bleiben.

Du warst mit dem Juniorenkader des Berner Oberländischen Skiverbands unterwegs, oder?

Genau, wir waren 16 Athleten vom ganzen Kanton Bern mit drei Trainern und hatten drei Gruppen: Die 2007er haten einen Haupt-trainer, die 2006er ebenfalls, und die Jahr-gänge 2005 bis 2002 hatten einen Trainer.

So besassen alle Fahrer eine direkte Ansprechperson, aber Rückmeldungen gab es von allen Trainern.

Wie viele Hotelnächte hast du verbracht?

Es dürften zwischen 100 und 120 gewesen sein, die ganze Sommervorbereitung inklusive.

Mit dem Skitraining ging es wohl im Juni los, oder?

Ja, mit einer Technikschulung in Zermatt, ohne jegliches Torefahren, nur Technik, damit wir alle mehr oder weniger vom Gleichen redeten.

Damit zum Beispiel alle wussten, was gemeint war, wenn ein Trainer sagte: «Mach mal mehr den Halbmond.»

Halbmond?

Das ist eine spezielle Fahrtechnik, bei der du den Aussenski ein wenig wegfahren lässt und wieder näherziehst.

Nach dem Camp in Zermatt wusstest du also, was «Halbmond» bedeutet – wie ging es weiter?

Danach reisten wir für zwei Camps auf den Stelvio-Gletscher im Veltlin. Später gingen wir in die Skihalle nach Wittenburg, wo wir nur Slalom fuhren. Diese Halle ist vom Trainingseffekt her ziemlich effizient, weil die Piste quasi nur aus Eis besteht und deshalb immer in einem top Zustand ist. Und danach gab es viele Camps in Saas-Fee.

Wie sieht ein Tagesablauf auf dem Gletscher aus?

Es gibt zwei Varianten: Auf dem Stelvio über-nachteten wir auf 3300 Metern über Meer, Tagwache war meistens um 4 Uhr 30, weil wir um 5 Uhr 30 draussen bereitstehen mussten – da nahm uns ein Pistenfahrzeug mit, ins Skigebiet hoch. Dort trainierten wir ungefähr von 6 bis 10 Uhr. Zurück im Hotel, schlief der eine oder andere vor dem Mittag-essen noch einmal kurz – ich ging in der Regel zehn Minuten auf den Hometrainer, danach präparierte ich die Ski. Am Nachmittag gab es Konditionstraining und egal, was auf dieser Höhe gemacht wird:  Es ist halt ziemlich anstrengend. Danach noch ein-mal:  Skipräparation, Videostudium, Abend-essen – und bald einmal Schlafenszeit.

Und die andere Variante?

In Saas-Fee standen wir erst um 6 Uhr auf, eine Stunde später gingen wir auf die Bahn, bis 11 Uhr 30 war Training.

Fuhrst du eigentlich in diesem Winter auch nur einen einzigen Tag in der Region Ski?

Selital, Ottenleuebad, Gurigel, Schwarzsee?

So hart es klingt: leider nie, nein. Ich war selten zu Hause, und wenn ich mal zwei Tage hier war, stand anderes im Vordergrund: Erholung, Skipräparation.

In der Szene ist bekannt, dass so ein Ski-Winter rund 25 000 Franken kostet. Wie zahlst du das?

Es ist Jahr für Jahr ein harter Brocken. Es ist ein Riesenglück, dass mich meine Eltern unterstützen, mit Sponsorensuche, mit dem Zusammenstellen eines Dossiers und allem rundherum. Ja, so eine Saison ist nur dank der Hilfe von Sponsoren und Stiftungen möglich.

er kann schon einfach so 25 000 Franken hinblättern?

Preisgeld gibt es wohl noch keines, oder?

Nein. Auf Europacup-Stufe bekommen meistens die ersten fünf etwas, in FIS-Rennen ist Preisgeld eher selten.

Du sagtest einst, es sei dein Traum, einmal im Europacup zu fahren – also bist du jetzt wunsch-los glücklich?

Natürlich ging ein Riesentraum in Erfüllung, umso mehr, als ich im Ausland fahren durfte, wo die Schweizer weniger Startplätze haben als in Heimrennen. Aber nein, «wunschlos glücklich» würde ich nicht sagen.

Weil du Lust auf mehr bekommen hast, gerade auch mit dem Schnuppern in Zermatt?

Ja, definitiv. Das nächste Ziel besteht darin, irgendeinmal einen ganzen Europacup-Winter fahren zu dürfen, jedes Rennen. Aber vor-erst geht es wohl im ähnlichen Rahmen weiter wie bisher.

Hattest du einmal so etwas wie den Ski-Lager-koller?

Oder gefällt dir dieses Leben einfach so sehr, dass du es möglichst lange führen willst?

Es gibt schon Momente, in denen du dich fragst: Warum mache ich das eigentlich? Aber das haben wohl alle, die diesen Sport betreiben. Für mich ist eigentlich klar, dass ich noch weitermachen will.  Das ganze Drumherum bietet eine Lebensschule, du lernst so viel, es macht mir einfach enorm Spass.

Und wann fragt man sich: Warum mache ich das eigentlich?

In dieser Saison gab es diesen Moment gar nicht so extrem, weil ich immer wieder gute Erlebnisse hatte.  Das Gefühl war eher in den Jahren vorher aufgetreten, wenn ich das Gefühl hatte, zu stagnieren; dass der Schritt ausblieb, den ich mir erhofft hatte, nach Rennen, mit denen ich nicht zufrieden war.

Und im Winter 2023/24 machtest du Fortschritte?

Weil ich im Sommer technisch und konditionell eine gute Vorbereitung hatte, ging es vorwärts.  Aber es ist auch so:  Im Speed brauchst du Kilometer, und ich durfte in der Vorbereitung viel Speed fahren, was mich lehrte, was ich machen muss, um schnell zu sein.

Weisst du, woran du konkret arbeiten musst, um ein noch besserer Speed-Fahrer zu werden?

Es geht um Geduld: Wie lange kann ich das Ansetzen der Kurven hinauszögern? Salopp gesagt: Wie lange kann ich geradeaus fahren? Und im technischen Bereich muss ich sicher besser werden, von der Position her. Ich muss stabiler und besser über dem Aussenski stehen.

Bei Leuten, die schon so gut Skifahren wie du:

Wie schwierig ist es eigentlich, etwas Neues zu lernen? Du weisst zwar, was anders sein müsste – aber wie schwierig ist es, das auch umzusetzen?

Man muss ein bisschen unterscheiden. Wenn du nicht ganz so sauber über dem Aussenski stehst, weisst du, was du für eine Übung machen musst. Wenn dir aber die Geduld fehlt, quasi hinter das Tor zu fahren, ist es nicht so einfach, das zu üben. Das ist mein Hauptding: dass ich geduldiger werde. Aber wie lernst du Geduld? Das ist brutal schwierig.

Ist es auch eine Frage von Mut: länger gerade auszufahren?

Der Mut spielt sicher auch eine Rolle. Wenn du im Speed mit 110 oder 120 Kilometern pro Stunde auf ein Tor zufährst und zu dir sagst: «Ich muss jetzt die Kurve anfangen, sonst reicht es mir nicht» – aber innerlich weisst du: Nein, wart noch, wart noch. Ja, das hat bestimmt auch mit Mut zu tun.

Und da muss sich jemand, der ohnehin schon Speed fährt und Sprünge von bis zu 50 Metern macht, tatsächlich fragen: Wie werde ich mutiger?

Ja, das ist das Schwierige daran.